PS
Verstehen
Verstehen · CO₂-Badewanne

Fünf Prozent, die den Pegel heben.

Der Mensch liefert nur rund fünf Prozent des CO₂, das jedes Jahr in die Atmosphäre gelangt. Die Zahl stimmt. Trotzdem geht der ganze Anstieg auf uns zurück, weil die natürlichen Ströme fast im Gleichgewicht sind. Entscheidend ist nicht die Grösse des Zuflusses, sondern der Saldo.

Pegeländerung
+2,4ppm pro Jahr
Saldo +5,1 GtC pro Jahr
Mensch am Zufluss 4,8 %
Naturhinein215,9Mensch11,0Natur hinaus221,8Pegel steigt +5,1
HineinHinausbleibt in der Luft: +5,1200210220230Achse links abgeschnitten, Start bei 200 GtC
So rechnet das Modell

Eine Bilanz, drei Zeilen.

Die Ströme sind Mittelwerte der Jahre 2010 bis 2019 aus dem sechsten IPCC-Bericht, in Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr (GtC). Nur der menschliche Posten ist am Schieber veränderbar.

Saldo = Natur hinein + Mensch − Natur hinaus
= 215,9 + 11,0 − 221,8 = +5,1 GtC pro Jahr
Pegel = Saldo / 2,124 GtC pro ppm
= +5,1 / 2,124 = +2,4 ppm pro Jahr
Anteil Mensch = Mensch / (Natur hinein + Mensch)
= 11,0 / (215,9 + 11,0) = 4,8 %
Natur hinein 215,9 = Atmung und Feuer an Land 111,1 + 25,6 · Ozean 54,6 + 23 · Süsswasser 1,5 · Vulkane 0,1
Natur hinaus 221,8 = Photosynthese 113 + 29 · Ozean 54,0 + 25,5 · Gesteinsverwitterung 0,3
Mensch 11,0 = Kohle, Öl, Gas, Zement 9,4 + Landnutzungsänderung 1,6
1 ppm CO₂ = 2,124 GtC · 1 GtC = 3,664 Gt CO₂
Was dahinter steckt

Warum ein kleiner Strahl die Wanne füllt.

  1. 01

    Zwei grosse Ströme, fast im Gleichgewicht

    Jedes Jahr geben Böden, Pflanzen, Feuer und Ozeane rund 216 Milliarden Tonnen Kohlenstoff an die Luft ab. Photosynthese, Ozean und Gesteinsverwitterung holen rund 222 Milliarden Tonnen wieder heraus. Vor der Industrialisierung waren Zufluss und Abfluss im Gleichgewicht, der CO₂-Gehalt der Luft lag bei rund 278 ppm.

  2. 02

    Der kleine Zusatz

    Kohle, Öl, Gas und Zement bringen 9,4 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr dazu, Rodung und andere Landnutzung 1,6. Zusammen 11, also knapp 5 Prozent des Zuflusses. Klein gegen die Ströme der Natur, aber der einzige Posten ohne Gegenstrom. Von den 11 bleiben 5,1 in der Luft, das sind 2,4 ppm pro Jahr, und genau diesen Anstieg messen die Stationen. 2025 lag der Gehalt bei 425,7 ppm, 53 Prozent über dem vorindustriellen Wert von rund 278 ppm.

  3. 03

    Warum die Natur nur gut die Hälfte aufnimmt

    Ozean und Landpflanzen nehmen heute rund 5,9 Milliarden Tonnen mehr auf, als sie abgeben. Das ist keine Reaktion auf unsere Schornsteine, sondern auf den höheren CO₂-Gehalt der Luft: Mehr CO₂ löst sich im Meerwasser, und Pflanzen wachsen etwas stärker. Diese Zusatzaufnahme hinkt dem Ausstoss hinterher. Im letzten Jahrzehnt nahm der Ozean 29 Prozent unserer Emissionen auf, das Land 21 Prozent. Der Rest blieb in der Luft.

  4. 04

    Woher wir wissen, dass es unser CO₂ ist

    Kohlenstoff aus Kohle, Öl und Gas trägt eine Signatur: Er enthält weniger vom schweren Isotop ¹³C als die Luft und kein radioaktives ¹⁴C, weil es längst zerfallen ist. Seit Beginn der Industrialisierung sinkt der ¹³C-Anteil in der Luft, wie es zur Verbrennung fossiler Stoffe passt (Suess-Effekt). Zugleich nimmt der Sauerstoffgehalt der Luft so ab, wie es die Verbrennung erwarten lässt. Vulkane oder Ozeane als Quelle würden andere Spuren hinterlassen. Der IPCC nennt den Anstieg der Treibhausgase seit 1750 deshalb eindeutig menschengemacht.

  5. 05

    Was das für die Temperatur heisst

    Für die Jahre 2016 bis 2025 liegt die beobachtete Erwärmung bei 1,26 °C gegenüber 1850 bis 1900. Davon sind 1,24 °C menschengemacht, rund 98 Prozent. Diese Zahl umfasst alle menschlichen Einflüsse: CO₂ ist der grösste, Methan und andere Gase wärmen mit, Aerosole aus Abgasen kühlen etwas. Natürliche Antriebe wie Sonne und Vulkane haben die Temperatur laut IPCC seit 1850 bis 1900 nur um −0,1 bis +0,1 °C verändert.

Grenzen des Modells

Was die Wanne nicht kann.

  • Momentaufnahme: Die Ströme sind Mittelwerte der Jahre 2010 bis 2019. 2025 lag der menschliche Ausstoss mit rund 11,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff (42,2 Gt CO₂) etwas höher, der Zuwachs bei rund 2,3 ppm, im Mittel 2015 bis 2024 bei 2,6 ppm.
  • Die Zusatzaufnahme von Ozean und Land ist hier fix. In Wirklichkeit reagiert sie auf den CO₂-Gehalt der Luft und verändert sich über Jahrzehnte. Sinkt der Ausstoss stark, sinkt mit Verzögerung auch die Aufnahme. Ein negativer Saldo am Schieber gilt deshalb nur für den Moment, nicht als Prognose.
  • Die einzelnen Bruttoflüsse sind mit grossen Unsicherheiten behaftet. Der Saldo dagegen ist sehr genau bekannt, weil er direkt aus dem gemessenen CO₂-Anstieg folgt (IPCC: 5,1 ± 0,02 GtC pro Jahr).
  • Kein Klimamodell: Die Seite rechnet nur eine Kohlenstoffbilanz. Temperatur, Rückkopplungen und andere Treibhausgase kommen darin nicht vor.