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Verstehen
Verstehen · Quantenmechanik

Sechs Experimente, an denen die klassische Anschauung scheitert.

Von Youngs Schlitzen 1804 bis zur Verzögerten Wahl Wheelers — der Doppelspalt ist das eine Experiment, das sich nicht einordnen lässt. Sechs Sektionen, jede interaktiv. Keine Mystik — die Auflösung ist Feynmans Pfadintegral.

01 · Young 1804

Licht ist eine Welle.

Zwei kohärente Quellen erzeugen helle und dunkle Streifen genau dort, wo Wellenberge sich addieren oder auslöschen. Wellenlänge, Schlitzabstand und Schirmabstand sind variabel. Der Streifenabstand folgt x = λL/d.

Wellenlänge λ0.025
Schlitzabstand d0.10
Streifenabstand0.2500
02 · Tonomura 1989 · Fein 2019

Ein Teilchen ist genug.

Selbst wenn nur ein einziges Quantum gleichzeitig im Apparat ist, baut sich das Streifenmuster Punkt für Punkt auf. Das Muster ist also kein kollektives Wellen-Phänomen — es existiert pro Teilchen. Wähle eine Masse: vom einzelnen Photon bis zum 25-kDa-Oligoporphyrin (Fein-Geyer-Arndt 2019, immer noch 90 % Sichtbarkeit).

Teilchen
Rate45/s
de-Broglie-Wellenlänge5.4 pm
Detektionen0
Rate45/s
03 · Englert 1996 · Dürr-Rempe 1998

Hinsehen zerstört das Muster.

Sobald der Apparat im Prinzip verraten könnte, durch welchen Spalt das Teilchen ging, verschwimmen die Streifen zur klassischen Summe. Englert hat das in die Ungleichung V² + K² ≤ 1 gegossen: volle Welcher-Weg-Information K = 1 erzwingt Sichtbarkeit V = 0 — und umgekehrt. Kein Bewusstsein nötig — ein Stück Papier hinter einem Spalt reicht.

screen
V² + K² ≤ 1
Welcher-Weg-Info K0.00
V = 1.000
Der Marker liegt auf oder innerhalb des Einheitskreises V² + K² = 1. Der pure Quanten-Bereich liegt genau auf dem Rand; klassische Mischungen ziehen ihn nach innen. Schieb K von 0 bis 1 und sieh beides geschehen.
04 · Feynman 1948

Alle Wege tragen bei.

Feynmans Pfadintegral: das Teilchen wählt keinen Spalt. Jede denkbare Trajektorie trägt eine Amplitude e^(iS/ℏ), die Summe ergibt die Wahrscheinlichkeit. Klassische Bahnen tauchen als stationäre-Phasen-Anhäufung auf. Verschieb das Ziel auf dem Schirm — sieh wie der Phasor-Spiral-Sum sich live in Konstruktion oder Destruktion biegt.

Pfade · 80
Phasor-Summe |Σ|
ℏ-Skala1.00
Ziel y am Schirm0.00
Klassischer LimitQuantum
05 · Walborn 2002 · Scully-Drühl 1982

Wissen löschen — die Streifen kommen zurück.

Ein verschränktes Photonen-Paar, geboren in einer SPDC-Quelle. Das Signal-Photon geht durch die Schlitze mit Viertelwellen-Platten, die seine Polarisation pro Spalt markieren. Die Streifen sind weg. Misst man den Partner (Idler) in der komplementären Basis, löscht man die Welcher-Weg-Information — Streifen erscheinen wieder in Koinzidenz. Wichtig: Die Marginal-Verteilung des Signals ändert sich nie. Information fliesst nicht rückwärts.

Signal-Marginal
Koinzidenz · Eraser
Koinzidenz · Anti-Streifen
Idler-Polarisator-Winkel45°
V = 0.000
Alle drei Plots zeigen echtes Daten-Verhalten. Die Marginal (alle Signal-Photonen, unabhängig vom Idler) ist immer streifenlos. Streifen erscheinen nur in den Subensembles, sortiert nach Idler. Kein Rückwärts-Signal — Verschränkung verrät Korrelation, keine Kausation.
06 · Wheeler 1978 · Jacques 2007

Entscheidung erst nachdem das Photon eingetreten ist.

Wheelers Gedankenexperiment: erst nachdem ein Photon den ersten Strahlteiler passiert hat, entscheiden, ob der zweite eingefügt wird (Interferometer → Wellen-Verhalten) oder offen bleibt (Welcher-Weg → Teilchen-Verhalten). Jacques et al. 2007 realisierten das mit einem 48-m-Mach-Zehnder, einem Elektro-Optischen Modulator unter 40 ns Schaltzeit und raumartiger Trennung. Das Photon zeigt das jeweils passende Verhalten.

BS2 (zweiter Strahlteiler)
D0 0D1 0
Konsens 2024-2025 (arXiv 2510.23539, Ellerman): keine Retrokausalität. Das Photon hat vor der Messung keine definite Wellen-/Teilchen-Eigenschaft — das ist die Auflösung. Die 'Mystik' ist die Separations-Fallacy.
Wie die Visualisierung funktioniert

Sektion 1 rendert das 2D-Wellenfeld mit 1/√r-Dämpfung — eine zylindrische Wellen-Idealisierung; die echte Frei-Raum-Welle fällt mit 1/r. Sektion 2 sampelt aus P(y) ∝ cos²(πdy/(λL)) mit Gauss-Hülle. Die Bildschirm-Wellenlängen sind visuelle Skalierungen; die de-Broglie-Anzeige zeigt die echten Werte (Elektron 50 keV → 5.4 pm relativistisch, C₆₀ aus Arndt-Zeilinger 1999 bei ~220 m/s, 25-kDa-Oligoporphyrin aus Fein-Geyer-Arndt 2019 bei 175 m/s). Sektion 4 nutzt die optische Action-Approximation S = p·L; der ℏ-Slider ist ein Visualisierungs-Parameter, nicht die echte Konstante. Sektion 5 plottet die saubere Walborn-Theorie V = |cos 2θ|, nicht gesampelte Daten. Sektion 6 vereinfacht BS2-in zu IMMER D₁ (Phasendifferenz 0); ein realer Mach-Zehnder zeigt ein Interferenz-Muster als Funktion der Armlängen-Differenz.

Quellen