PS
Auerhahn im Schweizer Bergwald
STORY · USE CASE

Auerhuhn. Eine Spezies, eine Welt.

Eine fiktive Mini-Plattform für eine reale Schweizer Art als Use Case für Storytelling. Wie eine wissenschaftlich saubere Geschichte aussehen kann, wenn sie zur Lesereise wird.

Services · Story

Eine Geschichte, die wissenschaftlich ehrlich Nähe schafft.

DrinScrollytellingFaktentreueSpannungsbogenMehrsprachigVertonung optional
Verzahnt mitScience (die belegte Basis), Tools (interaktive Elemente in der Geschichte), Data (die Zahlen unter den Bildern).

Was dieser Service ist

Storytelling als Service: eine Spezies, ein Phänomen, einen Menschen zur Welt machen, die jemand betreten kann. Eine Lesereise mit Atem, mit Daten, mit Quellen.

Die Subpage zeigt die Anatomie einer solchen Welt am Beispiel des Schweizer Auerhuhns. Die Geschichte ist real, der Bedarf ebenso. Die Plattform ist eine Skizze davon, wie eine Schweizer Naturschutzorganisation diese Geschichte für eine breite Öffentlichkeit erlebbar machen könnte.

Akte

Sechs erzählerische Abschnitte als Anatomie

Atem

Audio, Bild und Pulse zwischen den Akten

Daten

Wissenschaftliche Visualisierungen, eingebettet

Quellen

Jede Aussage zitierbar verlinkt

Wofür passt es, wofür nicht

Passt für
  • eine bedrohte Art, ein laufendes Forschungsprojekt, eine historische Figur
  • Organisationen mit fertiger Recherche, aber ohne passendes Format
  • Themen mit emotionalem Kern und harter Datengrundlage
  • Vermittlung an Publikum jenseits der Fachöffentlichkeit
Nicht für
  • klassische Imagebroschüren oder PR-Webseiten
  • Themen ohne wissenschaftliche oder dokumentarische Basis
  • Plattformen die ständige Inhaltspflege durch ein Team brauchen
  • Mass-Market-Kampagnen mit Reichweite als Hauptziel

Die Ausgangslage

Eine Schweizer Naturschutzorganisation will die Auerhuhn-Geschichte einer breiten Öffentlichkeit nahebringen. Faltflyer, Jahresbericht und Medienmitteilung sind erprobt und erreichen die übliche Zielgruppe.

Was wäre, wenn die Geschichte stattdessen als atmosphärische Lesereise existierte. Mit Balz-Audio, Live-Verbreitungsdaten, einem visuellen Vergleich der historischen Schrumpfung. Mit Quellen, die offenliegen, und einer Tiefe, die die Wissenschaft trägt.

Das Folgende ist diese Welt als Skizze.

DIE WELT

Sechs Akte, eine Spezies

So könnte die Auerhuhn-Plattform aufgebaut sein. Jeder Akt ein Schritt tiefer in die Geschichte, jeder Akt mit echten Daten und Quellen.

AKT I

Begegnung

Eine Stimme, älter als die meisten Wälder. Der Balzgesang des Auerhahns wechselt zwischen trockenem Klicken, metallischem Schleifen und einem kurzen finalen Schlag. Im April und Mai versammeln sich die Hähne vor Sonnenaufgang an traditionellen Balzplätzen, eine Tradition die seit Jahrtausenden in denselben Wäldern weitergegeben wird.

Audio · Tetrao urogallus
XC99439
0:00—:—

Balz am Balzplatz

Pavel Pelz · Kvilda, Tschechien

AKT II

Lebensraum

Heute leben rund die Hälfte aller Schweizer Auerhähne in Graubünden. Die Schwerpunktgebiete im Engadin liegen am Talhang zwischen Susch, Zernez und Brail sowie um S-chanf. Aus weiten Teilen des Landes ist die Art verschwunden: aus dem zentralen Jura, dem westlichen Alpennordrand, den inneralpinen Tälern der Zentralschweiz.

Heute besiedelte SchwerpunkteIn den letzten 50 Jahren verloren
GraubündenEngadinVoralpen

Schematische Darstellung der Verbreitungsschwerpunkte nach Brutvogelatlas und Auerhuhn-Konzept Graubünden. Genaue Koordinaten werden bewusst nicht gezeigt, die Art ist störungsempfindlich.

AKT III

Bestand

Über 50 Jahre verlor die Schweiz mehr als die Hälfte ihrer Auerhähne. 1971 wurden noch rund 900–1000 Hähne gezählt. 2001 waren es 450–500. Stand 2025 liegt die Schätzung bei 380–480 Hähnen.

Was diese Zahlen nicht zeigen: dass dieselbe Spezies einst von Genf bis ins Engadin in fast jedem Schweizer Bergwald stand. Heute drängt sie sich auf wenige Schwerpunktgebiete, ihre Vorkommen liegen wie Inseln in einer Landschaft, durch die sie sich kaum noch bewegen kann.

Hähne (Schätzung) · 1971 → 2025
0250500750100090010004505003804801971Letzte stabileBestände2001Rückzug auf wenigeSchwerpunkte2025Bastionen inGraubünden undVoralpencocks

Bestandszahlen nach Brutvogelatlas / Schweizerische Vogelwarte Sempach.

Heidelbeerstauden am Boden eines Schweizer Bergwaldes, Hauptnahrung des Auerhuhns.
AKT IV

Die vier Ursachen

Der BAFU-Aktionsplan nennt vier Hauptursachen für den Rückgang. Sie wirken zusammen, nicht einzeln. Jede für sich wäre zu bewältigen, alle zugleich verschieben das Gleichgewicht.

01

Veränderter Wald

Wer heute durch einen Schweizer Bergwald geht, findet selten noch das, was eine Hennenmutter mit ihren Küken braucht.

Wälder wuchern zu, werden dunkler, gleichförmiger. Das Auerhuhn braucht offenen, strukturreichen Nadelwald mit alten Bäumen und Bodenvegetation, nicht den dichten Wirtschaftswald, der heute Standard ist.

02

Zerschnittener Lebensraum

Eine Strasse, eine Bahnlinie, ein Skigebiet, und ein Wald wird zur Insel.

Strassen, Skigebiete, Siedlungen schneiden die einst zusammenhängenden Bergwälder in Inseln. Genetischer Austausch wird schwierig, kleine Teilpopulationen verlieren ihre Stabilität.

03

Störung durch Mensch

Im Winter zählt jede Kalorie. Wer den Hahn aufschreckt, kostet ihn Reserven, die er nicht mehr hat.

Skitouren, Schneeschuhwanderer, Mountainbike-Trails im Winterhabitat verbrauchen Reserven der Tiere zur Unzeit. Eine wiederholte Störung im Frühling kann eine Brut kosten.

04

Klima und Fressfeinde

Ein zu warmer Winter, ein zu nasser Frühling, ein Wildschwein mehr im Wald.

Mildere, schneearme Winter verändern das Nahrungsangebot, feuchtere Frühlinge erhöhen die Kükensterblichkeit. Gleichzeitig hat die Wildschwein- und Fuchs-Dichte zugenommen.

AKT V

Ein überraschender Befund

Eine Langzeitstudie aus acht Jura-Waldflächen, ausgewertet zwischen 2009 und 2015, zeigte einen Rückgang der Gesamtpopulation von zwei Prozent pro Jahr. Doch die Geschlechter-getrennte Analyse offenbarte: nur die Männchen-Zahlen schrumpften. Die Weibchen-Population blieb in derselben Zeit stabil.

Ein solcher Befund ist nicht intuitiv. Er deutet auf geschlechtsspezifische Sterblichkeit hin, mögliche Ursachen reichen von Prädatoren-Selektion bis zu räumlich unterschiedlicher Habitatnutzung. Genau diese Art von Befund braucht Vermittlungsraum, er widerspricht dem einfachen Narrativ.

Mollet et al., bioRxiv 2019.

VERDICHTUNG
Dieselbe Spezies stand einst von Genf bis ins Engadin in fast jedem Schweizer Bergwald.

Verbreitungs-Geschichte · Schweizerische Vogelwarte Sempach

AKT VI

Was geschieht

Der Aktionsplan Auerhuhn Schweiz ist seit 2008 in Kraft. Bund und Kantone koordinieren forstliche Massnahmen, Schutzgebiete, Wildruhezonen. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach und BirdLife Schweiz tragen Forschung und Sensibilisierung. Graubünden hat ein eigenes Auerhuhn-Konzept, das die Schwerpunkträume regional differenziert.

Was ich hier beisteuern würde: eine Lesereise, die diese Forschung trägt, ohne sie zu vereinfachen. Die Plattform ist kein Aufruf. Sie ist ein Raum, in dem jemand zwanzig Minuten verbringen und am Ende mehr verstehen kann als zuvor. Nicht nur über das Auerhuhn. Auch über das, was zu tun bleibt.

Wie ich es bauen würde

Vier Phasen, in dieser Reihenfolge, mit klaren Übergaben.

01

Verstehen

Gespräche mit der Trägerorganisation, mit den Wissenschaftlern, mit Naturschutz-Praktikern. Was ist die Geschichte, die noch fehlt? Welche Daten liegen vor, welche Quellen sind belastbar?

02

Konzept

Erste Skizze der Welt: Anzahl Akte, Ton, Tiefe. Welche Daten als Visualisierungen, welche als Prosa. Welche Medien: Audio, Bild, interaktive Karte. Konzept-Review mit der Organisation, dann Freigabe.

03

Bau

Editorial-Text, Visualisierungen, Audio-Integration, Live-Daten-Anbindung soweit sinnvoll. Performance-Budget von Anfang an: die Seite muss auf einem alten Smartphone in dreissig Sekunden lesbar sein.

04

Politur

Wissenschaftliche Gegenlese, redaktionelle Schlussrunde, Quellen-Check. Übergabe an die Organisation mit Wartungsdokumentation.

Wissenschaftliche Grundlage

Alle Daten und Aussagen auf dieser Seite stützen sich auf die folgenden Quellen.

WERKSTATT-BEZUG

Erdgeschichte als Scrollytelling

Eine Scrollytelling-Reise durch die Schichten der Erdgeschichte. Gleiches erzählerisches Pattern wie eine Story-Subpage: Akte, Atem, Daten.

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