
Gletscher-Atlas. Zahlen, die man anfassen kann.
Eine interaktive Datenreise von 1850 bis heute als Use Case für den Service Data. Wie wissenschaftliche Zahlen zu einer begreifbaren Erzählung werden.
Gletscher-Atlas. Zahlen, die man anfassen kann.
Eine interaktive Datenreise von 1850 bis heute als Use Case für den Service Data. Wie wissenschaftliche Zahlen zu einer begreifbaren Erzählung werden.
Daten, die antworten, sobald du sie befragst.
Was dieser Service ist
Daten als Service sind Zahlen, die man anfassen kann. Vergleiche statt abstrakter Werte, Massstäbe statt Prozente, eine Lesereise statt einer Tabelle.
Die Subpage hier zeigt die Anatomie einer solchen Datenvermittlung am Beispiel des Schweizer Gletscher-Atlasses 1850 bis 2025. Die Datengrundlage ist robust, gemessen, kuratiert. Der Atlas ist eine Skizze davon, wie eine Forschungsinstitution oder eine Klima-Organisation diese Zahlen lebendig machen könnte.
Zeit-Scrubber
Durch 175 Jahre live ziehen
Vergleiche
Bern HB statt 3.3 km
Korrelation
Eis folgt Temperatur, sichtbar
Zitierbar
GLAMOS-Citation copy-ready
Wofür passt es, wofür nicht
- Langzeit-Datensätze mit klarem Trend
- Themen mit räumlicher und zeitlicher Tiefe
- Forschungsergebnisse, die in der Öffentlichkeit ankommen sollen
- Organisationen mit eigenem Datensatz oder Anbindung an offene Quellen
- operative Dashboards mit Update-Frequenz unter einer Stunde
- Datensätze ohne erzählbaren Bogen
- vorgefertigte Botschaften, die Daten illustrieren sollen
- spielerische Datenvisualisierung ohne Substanz
Die Ausgangslage
Eine Schweizer Forschungsinstitution misst seit über hundert Jahren die Massenbilanz der Schweizer Gletscher. Die Daten sind sauber, die Jahresberichte exzellent, die Fachöffentlichkeit informiert. Die breite Öffentlichkeit hört Schlagzeilen.
Was wäre, wenn die Geschichte des Eises als interaktive Datenreise existierte. Mit einem Slider durch fast zwei Jahrhunderte. Mit Vergleichen, die die abstrakten Volumen in greifbare Bilder übersetzen. Mit einer Stripe-Visualisierung des Klima-Trends, die ohne Worte spricht.
Das Folgende ist dieser Atlas als Skizze.
Sechs Akte, ein Jahrhundert
So könnte der Gletscher-Atlas aufgebaut sein. Jeder Akt ein Schritt tiefer in die Daten, jeder Akt mit GLAMOS-Quellen.
Begegnung
Ein Tropfen, eine Sekunde. Hochsommer auf dem Gletscher: das Eis arbeitet hörbar. Was hier in Schweizer Höhen geschieht, hat seinen Anfang in Industrialisierung, Klimagas, Albedo, einer langen Kette beobachtbarer Physik. Was die Schweiz seit 1850 verloren hat, ist nicht abstrakt. Es ist messbar, in Kubikkilometern und Metern Eisdicke. Schieb durch die Jahre.
Die Volumenkurve
Die Schweiz vermisst ihre Gletscher seit dem Ende der Kleinen Eiszeit. Die Volumen-Reihe ist eine der längsten dokumentierten weltweit. Sie zeigt einen Rückgang, der sich beschleunigt. Fahr mit dem Cursor durch die Kurve und lies die Werte direkt ab.
Allein seit 2015 hat die Schweiz ein Viertel ihres Gletschervolumens verloren. Das sind nicht die Verluste eines Jahrhunderts. Das sind die Verluste eines Jahrzehnts.
Volumen-Schätzung nach GLAMOS-Jahresbericht 2024/25. 1973 als Referenz (100 %). Datenpunkte 1850 und 1900 modelliert aus historischen Karten und Photogrammetrie.
Aletsch im Vergleich
Der Grosse Aletschgletscher ist der bekannteste Gletscher der Schweiz. Heute ist er 22.6 km lang. Seit 1870 hat er 3.3 km Länge verloren, davon 1.5 km in den letzten 40 Jahren. Unterhalb des Konkordiaplatzes ist die Eisdicke um über hundert Meter abgenommen.
Drei Komma drei Kilometer sind nicht greifbar. Drei Komma drei Kilometer sind die Strecke vom Berner Hauptbahnhof bis zum Naturhistorischen Museum, einmal hin und zurück. Diese Distanz hat sich von Eis in Geröll und Pioniervegetation verwandelt.
Längen- und Flächenangaben nach SAC, RAOnline und GLAMOS-Massenbilanz. Die schematische Karte zeigt nur die Zunge bis zur ehemaligen Stirn.
Längenverlust 1870 → 2025
Bern HB bis Naturhistorisches Museum und zurück.
Rückzug der letzten vier Jahrzehnte
Eine Schulhof-Länge, jedes Jahr aufs Neue.
Eisdickenverlust am Konkordiaplatz
Ein dreissigstöckiges Hochhaus, vom Konkordiaplatz nach unten.
Die Beschleunigung
Jeder hydrologische Jahres-Streifen zeigt die jährliche Massenbilanz. Blau, wenn der Gletscher Masse gewinnt. Rot, wenn er verliert. Die letzten fünfzehn Jahre sind tiefrot.
2022 und 2023 sind beispiellos. Allein in diesen zwei Jahren hat die Schweiz rund 15% ihres gesamten Gletschervolumens verloren. 2024/25 setzt diesen Trend fort, der viertgrösste Verlust seit Messbeginn.
Beide Reihen werden in den letzten fünfzehn Jahren tiefrot. Eis folgt Temperatur.
Massenbilanz-Streifen nach GLAMOS-Jahresberichten 2010 bis 2025. Werte in Meter Wasseräquivalent über das gesamte Gletscherareal.
Temperaturanomalie gegenüber Referenzperiode 1961 bis 1990 nach MeteoSchweiz. Schweizer Erwärmung seit Messbeginn 1864 rund 3 °C, etwa doppelt so schnell wie global.
Der überraschende Befund
Zwischen den Inventaren 2016 und 2023 sind in der Schweiz 159 Gletscher komplett verschwunden. Das entspricht 11% aller registrierten Gletscher. Die Liste verlängert sich Jahr für Jahr.
Diese Gletscher haben Namen, Geschichten, Kantone. Eine Auswahl, mit Verortung auf der Schweizer Karte:
Hover oder tap einen Listeneintrag, um den Ort auf der Karte zu sehen.
Auswahl aus dem Schweizer Gletscherinventar (ETH und WSL). Die vollständige Liste umfasst 159 Gletscher.
Was geschieht
GLAMOS misst, dokumentiert, publiziert jedes Jahr. MeteoSchweiz ordnet ein. ETH und WSL forschen an den physikalischen Grundlagen, an Permafrost und Gefahrenmustern. Der Gletscherschutz im engeren Sinn, mit Vlies-Abdeckungen einzelner Zungen, ist ein symbolischer, kein wirksamer Beitrag im grossen Bild.
Was ich hier als Daten-Service beisteuere: einen Atlas, der die Volumenkurve, die Streifen, die verschwundenen Namen so anordnet, dass sie hängen bleiben. Keine Schock-Bilder. Vergleichsanker statt Prozente. Quellen, die offenliegen. Wenn am Ende jemand 1923 mit heute vergleichen kann, ohne erst eine Zahl googeln zu müssen, hat der Atlas seine Arbeit getan.
Direkt-Zitation
GLAMOS (2025). Schweizer Gletscherinventar 2025.
ETH Zürich und WSL, doi:10.18752/glamos-2025.
Wie ich es bauen würde
Vier Phasen, in dieser Reihenfolge, mit klaren Übergaben.
Verstehen
Gespräche mit der Datenquelle (GLAMOS, MeteoSchweiz, WSL). Welche Reihen sind belastbar, welche modelliert, welche Live-Updates möglich? Welche Vergleichsanker funktionieren für die Zielgruppe?
Konzept
Datenreise definieren: Anzahl Akte, Tempo, Tiefe. Welche Daten als Chart, welche als Karte, welche als Stripe. Welche Vergleichsanker (Stadtgrössen, Strecken, Volumen-Übersetzungen).
Bau
Editorial-Text, Daten-Anbindung, SVG-Visualisierungen, Slider-Logik. Performance: jährliche Datenpunkte und Stripes müssen sofort lesbar sein, auch auf Mobilgeräten.
Politur
Wissenschaftliche Gegenlese durch die Datenquelle, redaktionelle Schlussrunde, Quellen-Check, Updates-Workflow definieren.
Wissenschaftliche Grundlage
Alle Daten und Aussagen auf dieser Seite stützen sich auf die folgenden Quellen.
- GLAMOS — Annual mass balance of Swiss glaciers 2024/2025 (PDF)
- GLAMOS — Swiss Glacier Bulletin 2025 (PDF)
- GLAMOS — Annual mass balance 2023/2024 (PDF)
- ETH/WSL — Und die Schweizer Gletscher schmelzen weiter
- MeteoSchweiz — Derweil schmelzen die Gletscher weiter
- SRF Wissen — Schweizer Gletscherschwund 2025
- SAC — Grosser Aletschgletscher
- Naturwissenschaften.ch — Aletsch Massenbilanz
- Gletschervergleiche.ch — Vorher-Nachher Aletsch
- RAOnline — Aletsch 1850 bis 2022
Klima-Sparkline im Lab
Eine Klima-Zeitreihe als Sparkline. Geschwister-Visualisierung zur grossen Gletscher-Volumenkurve, anderer Datensatz, gleiche Logik.
Daten zu erzählen?
Wenn du an einem Datensatz arbeitest, der mehr verdient als ein PDF mit Diagrammen, melde dich gern. Erstgespräch unverbindlich.


