Lies das Wort, benenne die Farbe.
Vier Blöcke zu je zwölf Trials. In den ersten zwei liest du das Wort und ignorierst die Tinte. In den letzten zwei benennst du die Tinte und ignorierst das Wort. Lesen läuft automatisch; Benennen kostet Aufwand. Der Preis dieser Asymmetrie ist der Stroop-Effekt, und du kannst deinen eigenen in den nächsten neunzig Sekunden messen.
Klassisches Vier-Bedingungen-Design · Stroop 1935 · MacLeod 1991 Normwerte · 4 Farben, 12 Trials pro Block
Der Test
Klick die Antwort oder drück 1 bis 4 auf der Tastatur. Tempo zählt; ein falscher Klick kostet weniger als eine langsame richtige Antwort. Die Reaktionszeit wird ab dem Erscheinen des Wortes gemessen. Versuch nicht, zu viel über das Experiment nachzudenken, während du es machst.
Vier kurze Blöcke. Zwei Minuten total.
Jeder Trial zeigt ein Farbwort in einer Farbe. Deine Aufgabe wechselt pro Block: mal lesen, mal benennen. Wähl die Antwort aus den vier Buttons. Drück 1 bis 4 auf der Tastatur, wenn du das lieber hast.
Braucht Farbsehen. Etwa 90 Sekunden. Deine Daten bleiben im Browser.
Was du gerade gemessen hast
Der Stroop-Effekt ist einer der robustesten Befunde der kognitiven Psychologie. Über fünfhundert Studien haben ihn in verschiedenen Sprachen, Altersgruppen und Kulturen repliziert. Selbst bei Patienten mit präfrontalem Hirnschaden überlebt der Effekt, wenn auch in anderer Grösse.
1935 in Nashville
John Ridley Stroop führte das Original 1935 am George Peabody College for Teachers durch. Seine Versuchspersonen lasen Spalten von Farbwörtern, die in widersprüchlichen Tinten gedruckt waren, und benannten die Tintenfarben derselben Listen. Das Benennen dauerte im Schnitt 74 Prozent länger, wenn das Wort der Farbe widersprach. Der Rückweg, also Wörter, die durch die Tinte verlangsamt wurden, war kaum messbar. Diese Asymmetrie ist der Kern.
Warum Lesen gewinnt
Cohen, Dunbar und McClelland modellierten den Effekt 1990 als parallele Wettrennen zwischen zwei Pfaden. Lesen ist so geübt, dass es ohne Vorsatz läuft; eine Farbe zu benennen braucht Kontrolle. Das Kontrollsystem kann den Lesepfad unterdrücken, aber nicht sofort und nicht umsonst. Die Kosten zeigen sich als zusätzliche Millisekunden.
Wie robust ist der Effekt
MacLeods Übersichtsarbeit von 1991 erfasste über vierhundert Studien bis dahin. Die Farbbenennungs-Interferenz tritt verlässlich auf in alphabetischen, syllabischen und ideografischen Schriften, bei einsprachigen wie zweisprachigen Personen, bei Kindern sobald sie flüssig lesen. Mittlere Interferenz bei jungen Erwachsenen liegt unter Standardbedingungen zwischen 100 und 300 Millisekunden.
Was diese Version nicht ist
Ein Browser-Test mit zwölf Trials pro Block ist eine kleine Stichprobe. Echte Laborexperimente arbeiten mit vierzig bis hundert Trials und kontrollieren für Ermüdung, Bildschirm-Leuchtdichte und Schriftgrösse. Behandle deinen Wert als Grössenordnung, nicht als klinischen Befund. Die Robustheit liegt im Mittelwert vieler Personen, nicht in einem einzelnen Durchlauf.
Quellen
- Stroop J.R. (1935). Studies of interference in serial verbal reactions. Journal of Experimental Psychology 18, 643–662.
- MacLeod C.M. (1991). Half a century of research on the Stroop effect: an integrative review. Psychological Bulletin 109, 163–203.
- MacLeod C.M., Dunbar K. (1988). Training and Stroop-like interference: evidence for a continuum of automaticity. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition 14, 126–135.
- Cohen J.D., Dunbar K., McClelland J.L. (1990). On the control of automatic processes: A parallel distributed processing account of the Stroop effect. Psychological Review 97, 332–361.
